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Übernahme eines älteren Hundes

Juni 2011: Unsere Gipsy kann nicht mehr bei ihrem Frauchen bleiben. Da wir uns ein Hundeleben lang für die von uns gezüchteten Hunde verantwortlich fühlen, kommt Gipsy selbstverständlich zu uns nach Tittenkofen zurück, und wir suchen für sie eine neue, geeignete Familie. Dieser Umstand bringt mich auf die Idee, meine Erfahrungen zum Thema „Übernahme eines erwachsenen Hundes“ für Sie aufzuschreiben.

Keine Frage: Welpen sind süß, bei ihrem Anblick schmilzt einem das Herz. Und: Einen Welpen kann man genau so erziehen, wie man ihn später als erwachsenen Hund möchte. Doch bis aus dem süßen Zwerg ein angenehmer Hausgenosse wird, vergehen viele Monate. Monate, die viel Zeit, Geduld und Nerven kosten. Gerade für ältere Menschen oder halbtags Berufstätige kann hier die Übernahme eines älteren Hundes, der schon stubenrein und erzogen ist, eine überlegenswerte Alternative sein.

Wie kommt man nun an einen solchen Hund? Haben Sie bereits Erfahrung mit Hunden, und stellen Sie keine konkreten Wünsche an Größe, Aussehen und Gewicht und Wesen ihres künftigen Vierbeiners, ist der Weg ins nächste Tierheim eine Möglichkeit. Dort hoffen viele „Notfelle“ auf eine neue Chance. Der Nachteil bei einem Tierheimhund – vor allem wenn (kleine) Kinder im Haushalt leben: Nur selten ist die Vorgeschichte des Tieres bekannt, etwa ob er Kinder mag, andere Hunde, was er an Positivem und Negativem erlebt hat. Ich möchte Ihnen zwei Beispiele nennen:


Unsere Neufundländerhündin Sira haben wir als Welpe aus dem Tierheim geholt. 12 Wochen war sie damals alt. Sira war ein Hundeleben lang folgsam und gutmütig zu Mensch und Tier, eine Seele von Hund. Es gab nur ein Problem: Wir konnten sie keine Minute alleine lassen. Alle Versuche, ihr das Alleine-Bleiben anzutrainieren, scheiterten kläglich. Niemand konnte uns sagen, was sie schon als Welpe erlebt haben musste, um solche Trennungsängste zu entwickeln. Eine schnelle Besorgung, ein Arztbesuch, ein Stadtbummel – alles mussten wir vorher sorgsam planen und organisieren, denn alleine heulte und bellte Sira so lange, bis wir zurückkamen. Ihre Trennungsangst äußerte sich auch in Zerstörungswut. Schuhe, Kleidung, Möbel, Teppiche – nichts war vor ihren Zähnen sicher.

Ein zweites Beispiel: Der Schäferhund-Mischling unserer Freunde ist ein toller Hund. Unermüdlicher Spielkamerad für die Kinder, zuverlässiger Wächter des Anwesens und abends liegen er und sein Frauchen gemütlich auf der Couch. Nach zwei Jahrenunproblematischem Zusammenlebens kam es zu folgendem Vorfall: Der Ehemann kam spät abends nach Hause, ging ins Schlafzimmer, schlüpfte aus seiner Anzughose und zog den Gürtel aus selbiger. Der sonst so freundliche Hund ging augenblicklich zur Selbstverteidigung über. Zähnefletschend, mit angelegten Ohren und offensichtlicher Angst-Aggression ging er auf sein Herrchen los. Der ließ intuitiv den Gürtel fallen – und sofort war der „Spuk“ vorbei. Der Hund beruhigte sich postwendend. Man braucht kein Hundepsychologe zu sein um zu wissen, dass Rex früher mit einem Gürtel geschlagen worden sein musste. Allerdings möchten wir uns auch nicht ausdenken, was hätte passieren können, würde sich seine Aggression (aus welchem Grund auch immer) einmal gegen Kinder richten, die ähnliche Gegenstände in der Hand halten. Rex blieb übrigens selbstverständlich bei seiner Familie, die solche Situationen künftig tunlichst vermied. Auch hier konnten die Mitarbeiter des Tierheimes keine Angaben über Rex´ Vorgeschichte machen.

Ich möchte Ihnen den Weg ins Tierheim keinesfalls ausreden. Aber bitte prüfen Sie (sich) vorher ernsthaft, ob Sie mit einem erwachsenen Hund, dessen Vorgeschichte Ihnen nicht bekannt ist, klarkommen werden. Das gilt vor allem dann, wenn Kinder im Haushalt leben.

Eine weitere Möglichkeit, einen erwachsenen Hund zu übernehmen: Diverse Tierhilfen, die Tiere aus dem Ausland nach Deutschland vermitteln. Überlegen Sie sich gut, ob Sie einem Hund, der unsere hektische, laute, eng bevölkerte Umwelt als Welpe nicht kennengelernt hat, ein glückliches Leben in der Stadt ermöglichen können. Auch hier wäre ich bei Kindern im Haushalt extrem vorsichtig.

Die Nachfrage beim Züchter: Früher wäre es für mich auch noch unvorstellbar gewesen, mich von einer unserer erwachsenen Hündinnen zu trennen. Aber beschränkt man sich als Lieberhaber-Züchter auf eine bestimmte Anzahl Hunde (in unserem Fall möchten wir nicht mehr als vier Hunde dauerhaft halten - und zwar deshalb, weil man einfach allen gerecht werden will), und will man aber doch nicht darauf verzichten, hin und wieder aus einem Wurf einen viel versprechenden Welpen zu behalten – ja, dann kommt man nicht umhin, sich dann und wann von einem der Stammhunde zu trennen. Nach zwei Gläsern Rotwein und „einfach so“ schreibt sich das zugegebenermaßen um vieles leichter, als wenn eine solche Trennung im Raum steht. Wir züchten nun das fünfzehnte Jahr – und haben bisher zwei erwachsene Hündinnen abgegeben. Unser Blümchen und unsere Emma. Doch beide Beispiele beweisen: Wenn man den richtigen, zum Hund passenden Menschen (beachten Sie bitte die Reihenfolge!) findet, lebt sich der Hund schnell in der neuen Familie ein.

Verhaltensforscher haben festgestellt, dass unsere Hunde im Hier und Jetzt leben. Sie denken nicht darüber nach, was gestern war. Und sie machen sich keine Sorgen über das Morgen. Das bedeutet aber auch: Geht es dem Hund in einer neuen Situation gut (oder noch besser!), wird er sich schnell eingewöhnen und sich dem neuen Tagesablauf problemlos anpassen. Diese These können wir bestätigen: Blümchen, die sich problemlos in Unna eingelebt hat. Darylyn, die sich in der Urlaubszeit ohne Weiteres in unser Rudel einfügt. Momo, die in Tittenkofen genauso zuhause war wie in München. Emma kam mit fünf Jahren zu ihrer neuen Familie ins Salzkammergut und war dort sofort zuhause. Gipsy, die nach zwei Tagen bei Isabella und Max daheim war. Die Aufzählung lässt sich beliebig fortsetzen.

Zurück zum Züchter: Möchte man einen Hund einer bestimmten Rasse, lohnt es sich auf jeden Fall, sich mit verschiedenen Züchtern in Verbindung zu setzen. Vielleicht sucht der ein oder andere einen passenden neuen Lebensplatz für einen seiner Hunde – oder hat einen seiner gezüchteten Hunde zurückbekommen, weil sich die Lebensumstände der bisherigen Besitzer geändert haben und der Hund nicht mehr gehalten werden kann. Solche Hunde findet man nicht immer per Internet! Hier kann sich durchaus die Mühe lohnen, die Züchterliste des entsprechenden Rassehundezuchtvereins durchzutelefonieren.

Der Vorteil dabei: Der Züchter kann Ihnen über den erwachsenen Hund genaue Informationen geben. Was er mag (der Hund! Nicht der Züchter). Was er nicht mag. Was er überhaupt nicht mag. Wie er bisher gefüttert wurde, ob er gelernt hat, alleine zu bleiben, ob er gerne Auto fährt, ob er stubenrein ist, ob er Kinder und andere Hunde mag, Katzen jagt … Apropos Stubenreinheit: Das Gros der Wohnungshunde ist es; aber das muss nicht unbedingt für Zuchthunde gelten. Wenn die nämlich im Zwinger gehalten werden, kann es mit der Stubenreinheit hapern. Fragen Sie danach!

Weiter oben habe ich es schon einmal geschrieben: Hunde leben im Jetzt. Trotzdem braucht der „gebrauchte“ Hund einige Tage, sich an Ihren Tagesablauf, an Ihre Vorlieben und an Ihre Eigenheiten zu gewöhnen. Das braucht Zeit, die Sie sich nicht nur nehmen sollten, sondern nehmen müssen. Bis zu drei Wochen kann es durchaus dauern, bis Ihr Vierbeiner verstanden hat, was er bei Ihnen darf, muss und soll. Nehmen Sie sich solange am besten Urlaub – umso entspannter können Sie beide miteinander umgehen.

Ist diese aufregende Zeit der Aneinander-Gewöhnung und der Eingewöhnung vorbei, werden Sie sehen: Ob Welpe oder erwachsener Hund – Ihr neues Familienmitglied wird Ihnen ganz schnell ans Herz gewachsen sein!